Internationale Begegnung Frühjahr 2010
Stadt Hamm, Jugendzentrum Bockelweg, Deutschland
TED Afyon Koleji Özel Ilkögretim Okulu, Türkei
Geschichten und Heldensagen aus der Heimat - Brücke zum gegenseitigen Kulturverständnis
03.04. – 10.04.2010
Afyon / Türkei
Die Idee eine Internationale Begegnung zwischen den beiden Partnerstädten Hamm und Afyon durchzuführen entstand schon im Rahmen eines früheren Besuches in der Türkei.
Zehn junge Menschen aus Hamm und zehn junge Menschen aus Afyon wollten sich gegenseitig Geschichten und Heldensagen aus der Heimat näher bringen. Diese dienten als Verständnisbrücke zum gegenseitigen Kennen lernen der verschiedenen Wurzeln ihrer unterschiedlichen Kulturen.
Vom 03. bis 10. April 2010 fand das Jugendbegegnungsprojekt „Geschichten und Heldensagen aus der Heimat - Brücke zum gegenseitigen Kulturverständnis“ auf bilateraler, internationaler Ebene statt. Im Mittelpunkt des Projekts stand die Begegnung von Schülern und Schülerinnen aus Hamm und Afyon in der Türkei, welche es sich zum Ziel setzte, zum einen die Beziehung zwischen den beiden Partnerstädten zu stärken, und zum anderen den Jugendlichen ein besseres Verständnis für fremde Kulturen zu ermöglichen. Dazu gehört auch, Vorurteile abzulegen und weltoffener zu werden.
Dieses Projekt sollte die Horizonte der Jugendlichen erweitern, als Garant für mehr Frieden und ein besseres Europa.
Zur Gruppenfindung wurde die Methode des Castings gewählt, die durch diverse Fernsehsendungen mittlerweile jedem bekannt ist, um zu zeigen, wie Jugendarbeit diese Methode auch ändern kann.
Ziel des Castings der Teilnehmer der internationalen Begegnung war es, Besucher des Jugendzentrums Bockelweg, Schüler angrenzender Schulen und Jugendliche aus dem Stadtteil Hamm-Heessen zu motivieren, sich in einer positiven Weise selbst darzustellen.
In dem Casting wurde von den Jugendlichen gefordert, durch Berichte, Plakate, Collagen etc. ihre Hobbies, Interessen, Charaktereigenschaften und ihre Persönlichkeit darzustellen.
Präsentiert wurden faszinierende Dinge, die alle Erwartungen übertrafen. Speziell die kreativen Potentiale der Jugendlichen wurden durch Kunstwerke, Bilder, Zeichnungen und Basteleien hervorgehoben. Musikalisch wurden Gesang, instrumentale Darbietungen, bis hin zur Darstellung des Beat Boxens präsentiert. Von den Jugendlichen wurde schließlich im Rahmen dieser Begegnung auch ein gewisses Interesse am kreativ-gestalterischen Bereich gefordert. Zudem wurden die Jugendlichen auch mit einem kleinen „Smalltalk“ auf ihre Englischkenntnisse geprüft, da von den Jugendlichen in Afyon erwartet wurde, sich mit den türkischen Jugendlichen verbal austauschen zu können.
Nachdem die Castingphase mit ca. 25 Bewerbern abgeschlossen war, wurden fünf Jungen und fünf Mädchen ausgewählt, welche sich nun auf ihre große Reise vorbereiteten. Zwei Monate lang traf sich die Gruppe zwei bis drei Mal wöchentlich, für mindestens zwei Stunden. Zur Verbesserung der Verständigung in Afyon wurden die vorhandenen Englischkenntnisse aufgefrischt. Um den Gastgebern Interesse an ihrer Kultur und Offenheit, sich darauf einzulassen, zu zeigen, wurden neben türkischen Vokabeln auch türkische Gesten und Sitten studiert. Zudem wurde auch innerhalb der deutschen Geschichte recherchiert, um eine spannende Sage zu finden, welche anschließend in eine englischsprachige Präsentation umgearbeitet wurde. Um die Kenntnisse der eigenen Landeskultur noch einmal aufzufrischen, gab es kleine Bildungseinheiten zu den Themen Europa, Deutschland, Hamm und Ostern. Unser Aufenthalt in der Türkei fiel schließlich auf das Osterfest und da Muslime kein Ostern feiern, war das Ziel, ihnen das christliche Fest ein wenig näher zu bringen und es gemeinsam mit ihnen vor Ort zu feiern.
Um sich bereits während der Vorbereitungsphase mit den Jugendlichen aus der Türkei zu verständigen, sich aber auch vorab ein wenig kennen zu lernen, wurde von Seiten der türkischen Jugendlichen eine Internetseite erstellt.
Die Reise: Afyon -> Hamm.
Nach einer über dreizehn Stunden andauernden Reise war die erste Aufregung überstanden. Für einen Großteil der Jugendlichen war dies die erste Reise. Unsere Jugendlichen sind meist aus sozialen, familiären und finanziellen Gründen noch nie geflogen oder im Ausland gewesen.
Da der erste Tag nach unserer Ankunft auf den Ostersonntag fiel, mussten unsere Jugendlichen den türkischen, Gastgebern zunächst die Bedeutung des Osterfestes erläutern. Die anfängliche Nervosität und Anspannung konnten durch das gemeinsame Ostereiersuchen im Hotel schnell gelöst werden.
Einer der Inhalte des Programmes war, die Kultur des historisch sehr interessanten Anatoliens kennen zu lernen. Dies geschah zum einen durch Museumsführungen, welche pädagogisch leider nicht genug auf die übermüdeten deutschen Jugendlichen ausgerichtet waren, aber dennoch das Nationalgefühl besonders ansprachen.
Ein wichtiges Ziel einer internationalen Begegnung ist es, die gegenseitigen Länder und Kulturen kennenzulernen. Daher wurden von den deutschen Jugendlichen aufwendige Präsentationen vorbereitet, um die Stadt Hamm und speziell das lebendige Jugendzentrum vorzustellen. Dabei konnte man bereits im Vorfeld Gemeinsamkeiten der beiden Städte erkennen, wie z.B. das Gebäude des Glaselefanten, der das Wahrzeichen von Hamm darstellt und den Berg aus Afyon, welcher sich in der Mitte einer Opiumknospe befindet, als Wahrzeichen der Stadt Afyon. Beide Wahrzeichen sind jeweils in Hamm, als auch in Afyon zu finden und sind gegenseitige Geschenke der Partnerstädte als Zeichen der Verbundenheit und Freundschaft.
Der Prozess der Auswahl der vorzustellenden Sage, erwies sich als eine schwierige Herausforderung für die Jugendlichen. Afyon verfügt mit seiner zentralanatolischen Geschichte über viele historischen Themen. Wohingegen Hamm in Westfalen viele einzelne Sagen hat, in denen jedoch keine eindrucksvollen Helden vorkommen, mit denen Sagen leichter zu vermitteln wären.
Aus dem Grunde mussten die Jugendlichen viel Internetrecherche, viele Befragungen in den Familien, der Nachbarschaft und bei den Lehrkräften betreiben, um sich letztendlich auf die Hermannsage und die Schlacht vom Teutoburger Wald zu einigen, in der die Germanen die Römer in einer tagelang andauernden, blutigen und tückischen Schlacht aus dem Gebiet der Lippe vertrieben. (Der vermutlich, tatsächliche Austragungsort Kalkriese bei Osnabrück wurde erst nach unserer Reise in den Medien publiziert, doch der Hermann steht immer noch im Teutoburger Wald.)
Der praktische Teil des Projektes, die Sagen ins Kunsthandwerk umzusetzten, sollte ein Mittel sein, gemeinsam handwerklich zu arbeiten und somit eine Brücke zwischen den Jugendlichen bzw. den Kulturen zu bilden.
Schließlich präsentierten sich die Jugendlichen im Rahmen eines Themenabends gegenseitig ihre ausgearbeiteten Heldensagen.
Die deutschen Jugendlichen erzählten mit Hilfe einer anschaulichen Power-Point-Präsentation die Geschichte von dem Helden Hermann und seinem Feind Varus. Zeitgleich stellten die türkischen Jugendlichen uns die türkischen Helden vor, deren Wurzeln in die griechische Mythologie zurückzuführen sind.
In drei Tagen wurden drei Workshops durchgeführt. Der erste Workshop fand in der Keramikwerkstatt der Afyon Kocotepe Universität statt. Am Morgen hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, Bilder der jeweiligen Helden auf Tonteller zu zeichnen, welche anschließend gebrannt wurden. Nach einem Mittagessen in der Mensa und einem Rundgang über die Universität konnten die Jugendlichen mit Hilfe der Studenten ihre Helden als Keramikskulpturen ge-stalten.
Die darauf folgenden Workshops fanden in der Schule statt. In dem Ted Afyon Kolleg durften die Jugendlichen Collagen, Gemälde und Zeichnungen zu dem Sagenthema erstellen. Dabei wurden teilweise verborgene Talente der Jugendlichen geweckt, denn hier hatten sie die Möglichkeit, sich kreativ mit der Thematik auseinander zu setzten.
Schließlich konnten die „historischen“ Kunstwerke der Jugendlichen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In einem Einkaufszentrum wurde eine Lokalität zur Verfügung gestellt, um die Arbeiten in Szene zu setzten bzw. auszustellen.
Selbstverständlich wurde diese Ausstellung ganz offiziell im Rahmen einer Vernissage mit vielen Besuchern eröffnet. Bei einer positiv ausgelassenen Stimmung haben die Jugendlichen ihre Arbeiten voller Stolz vorgestellt und viel Anerkennung durch die Besucher erlangt. Die Ausstellung blieb anschließend für zwei Wochen geöffnet.
Einige Wochen später erreichte uns ein großes Paket aus Afyon, das unsere Keramikarbeiten enthielt. Das Auspacken dieses Paketes war ein weiteres, schönes Erlebnis.
Die Umsetzung der Projektinhalte durch die Workshops stärkte das Gruppengefühl in der Hinsicht, dass die Gruppe über Tage hinweg an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet hat, welches letztendlich feierlich und würdevoll ausgestellt wurde. Dies bildete eine schöne Schlussphase des Projektes.
Während der Begegnung diente die Freizeit ebenfalls als Methode zur Stärkung des Miteinanders. Die anfänglichen Berührungsängste wurden sehr schnell abgebaut, da die Jugendlichen ihre Gemeinsamkeiten erkannten und erfahren konnten, dass die türkischen Jugendlichen ganz „normale“ Jugendliche wie sie sind, die gerne Eis essen, tanzen und singen, spielen, Zeit mit Freunden verbringen und auch einfach mal entspannen.
Die Freundschaft der beiden Gruppen entwickelte sich so stark, dass die Jugendlichen sogar nachts nicht aufeinander verzichten konnten, was dazu führte, dass einige der türkischen Jugendlichen sogar ein paar Nächte in unserem Hotel verbrachten.
Es war schön, mit anzusehen, wie die Gruppe von Tag zu Tag stärker zusammenwuchs.
Das Thema Gastfreundschaft wird in der Türkei ganz groß geschrieben:
„HOS GELDINIZ“.
Zu Anfang der Reise waren alle Beteiligten sehr aufgeregt, was sie wohl in diesem fernen Land erwarten würde. Doch diese Aufregung wurde sehr schnell von einem Gefühl des herzlichen Willkommenseins verdrängt. Die offenen, uns zugewandten Menschen, die vielen Einladungen und auch das leckere Essen trugen dazu bei, dass sich alle schnell wohl fühlten.
Die freundlichen Gastgeber, sowie die zahlreichen Feste und Überraschungen dieser Woche hinterließen bei den Beteiligten ein sehr starkes Gefühl der Verbundenheit, das für immer in den Köpfen der Jugendlichen bleiben wird (Te sekkürter = Danke).
Spätestens nach dem letzten gemeinsamen Tag und dem emotionalen und tränenreichen Abschied wurde klar, dass diese Freundschaft auch weiterhin Bestand haben wird.
(Arkadaslik = Freundschaft).
Nun würde sich das Jugendzentrum Bockelweg gern für all diese positiven Erfahrungen revanchieren und hofft somit auf eine Fortführung dieses Austausches.
Die deutschen Jugendlichen können stolz auf sich sein, denn schließlich haben sie in dieser Woche die Stadt Hamm gut repräsentiert und gezeigt, dass sie sich schnell in eine fremde Kultur einleben können.
Dieses Projekt ist ein schönes Beispiel dafür, wie man Brücken zwischen zwei Kulturen baut.
Die Jugendlichen haben durch diese Begegnung internationale Kontakte geknüpft, die sie weltoffener und toleranter gemacht haben.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Nach der Begegnung melden die Teilnehmer eine erhebliche Verbesserung der Leistungen im Englischunterricht zurück, die auch deutliche Ausmaße auf die Zeugnisse hatte. Die Jugendlichen berichteten überwiegend davon, dass sie sich im mündlichen Bereich besser ausdrücken und offener und unbefangener am Unterricht beteiligen konnten.
Das Projekt hat bei den Teilnehmern eine Horizonterweiterung und einen Zuwachs an Selbstständigkeit bewirkt. Sie haben eine Vorstellung von anderen Lebensdimensionen und Lebensweisen bekommen und konnten erkennen, wie unterschiedliche Lebensbedingungen in anderen Ländern aussehen können.
Durch das Folgeprojekt „Thekengruppe“ des Jugendzentrums Bockelweg, wurden der bestehende Zusammenhalt und die positive Dynamik der Gruppe weiterentwickelt, indem die Jugendlichen in Kleingruppen, an ausgewählten Nachmittagen, den Thekenbetrieb des Jugendzentrums regeln und zum Ausgleich mit kleinen Gruppenaktionen belohnt werden.
Anmerkung:
Eine ausführliche Berichterstattung dieses Projektes erfolgte unter Mithilfe einer von den Jugendlichen erstellten Power-Point-Präsentation im Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Hierbei standen zwei Jugendliche stellvertretend für die Gruppe Rede und Antwort vor dem Ausschuss! Zudem gab es einen 30-seitigen Abschlussbericht als Verwendungsnachweis für „Jugend in Aktion“. Zusätzlich erhielt jeder Beteiligte ein zusammenfassendes Video, welches die Jugendlichen hier im Hause zuvor in aufwendiger Arbeit zusammengestellt haben.
03.04.2010 Ankunft in Afyon
18:30- gemeinsames Abendessen und sich kennenlernen
1. Übernachtung
04.04.2010
10.00-12.30 Stadtrundgang, Besuch zu den Kommunalverwaltungen (Afyon’s Gouverneur, Bürgermeister, Bildungsleiter)
12.30-14.00 Mittagessen
14.00-19.00 Museum, historische und kulturelle Orte Besuch
19.00-20.00 Abendessen / Planungs uns Auswertungsrunde
20.00- Herzlich Willkommen Party
2. Übernachtung
05.04.2010
09.00-13.30 Phrygisches Tal
13.30-15.00 Mittagessen (Phrygisches Tal )
15.30-17.00 Gegenseitig Filme oder Fotos zeigen von der Stadt Hamm und Afyon
17.00-18.00 Freizeit
18.00-19.30 Abendessen / Planungs- und Auswertungsrunde
anschließend gemütliche Runde mit deutscher und türkischer Volksmusik
3. Übernachtung
06.04.2010
10.00-12.30 Märchen und mythologische Helden malen (Workshop)
12.30-14.00 Mittagessen
14.00-17.00 Sportliche Aktivitäten mit den Teilnehmern
17.00-18.30 Freizeit
18.30-20.00 Abendessen / Planungs- und Auswertungsrunde
4. Übernachtung
07.04.2010
10.00-12.30 Schnitzerei der Märchen und mythologische Helden aus Keramik arbeiten (Workshop)
12.30-14.00 Mittagessen
14.00-17.00 Fernseh Kanal3 und Zeitung3 besuchen – Reportage mit den Teilnehmern
17.00-18.30 Freizeit
18.30-20.00 Abendessen / Planungs- und Auswertungsrunde
5. Übernachtung
08.04.2010
10.00-12.30 Bilder und die Keramik Sachen zur Ausstellung vorbereiten
12.30-14.00 Mittagessen
14.00- Eröffnung der Ausstellung
17.00-18.00 Freizeit
18.00-19.00 Abendessen / Auswertungsrunde
19.00-20.00 Vorbereitung für Konzert
20.00-22.00 Traditionelles Konzert
6. Übernachtung
09.04.2010
10.00-12.30 Deutsche und türkische originale Handarbeiten
12.30-14.00 Mittagessen
14.00-18.00 Freizeit - Einkaufen
18.00-19.00 Treffen
19.00-20.30 Abschiedsabend
7. Übernachtung
10.04.2010 Abreise aus Afyon